Ich hab es satt!

So lang hab ich jetzt nichts geschrieben, weil ich immer irgendwelche anderen Aufgaben als wichtiger bewertet habe. Aufgaben für meinen Job, Aufgaben für die Projekte bei denen ich mitarbeite, Aufgaben um die mich Freude oder meine Familie gebeten haben, Aufgaben wo ich dachte, dass sie von mir erwartet werden.

Völlig egal was, es war immer wichtiger, als die Dinge zu tun, die mir gerade Freude bereiten. Und wenn ich Zeit hatte, dann musste ich erstmal genauso lang wie ich gearbeitet habe, trotziges Kind spielen. Im Grunde war ich dann jedes mal sauer auf mich selbst, dass ich mich und meine Wünsche nicht höher priorisiert habe. Und diese Wut hat sich dadurch ausgedrückt, dass ich gar nichts mehr machen wollte. Auch nicht die Dinge, die mir Freude bereiten.

Aber jetzt sitze ich hier, und fühl mich wie eine Rebellin, dass ich endlich mal wieder ausdrücken kann, wie es mir geht. Und ich hab es satt! Ich hab schon vor einiger Zeit begonnen, mich mit mir selbst, meinen inneren Anteilen, und dem bewussten Wahrnehmen meiner Welt auseinander zu setzen.

Daraus hat sich ergeben, dass ich jede Menge Seiten auf Facebook folge, die darüber schreiben, auf was man bei seiner Reise im Leben alles achten soll, was man tun soll um gesunde Beziehungen zu führen, wie wichtig Ruhe ist, und was ich nicht noch alles lernen sollte, bevor ich mich in meiner Haut wohlfühlen darf.

Ja, ich weiß, dass ich diese Seiten jederzeit aus meinem Feed entfernen kann, aber dann fehlt mir eben auch der rare Input, der mir tatsächlich hilft, eine neue Facette an mir zu erkennen, oder?

Und all die Menschen, die sich präsentieren als hätten sies geschafft. Menschen, die teilweise bis zu 10 Jahre jünger sind, und so wirken als hätten sie alles auf der Reihe. Ich hab es satt!

Natürlich ist es auch wichtig, Vorbilder zu haben um zu sehen, was alles möglich ist, und dass man es vielleicht auch schaffen kann. Und man möchte sich ja von der besten Seite zeigen, und zeigen, was man schon geschafft hat. Aber sehr oft fühl ich mich einfach nur wieder auf meine eigenen Unzulänglichkeiten zurückgeworfen.

Ich weiß, dass da viele Projektionen in diesem Eintrag versteckt sind, und ich weiß wie ich sie wahrscheinlich auflösen könnte. Aber ganz ehrlich? Manchmal mag ich das einfach nicht! Manchmal mag ich einfach nur sauer sein. Nicht schon wieder was an mir „verbessern“ müssen. Verändern müssen. Manchmal will ich einfach nur mit meiner Wut hier sein, sauer sein auf alle „bösen“ auf der Welt. Nicht schon wieder mir selbst die Schuld geben, warum ich schon wieder irgendwo noch eine Projektion nach außen habe, wo andere etwas in mir auslösen, wofür sie nichts können. Bullshit! Und ich bin ja gar nicht per se auf irgendjemand wütend. Aber mir ist es wichtig, nicht nur das schöne, perfekte, das „Ziel“ zu präsentieren, sondern das was gerade da ist.

Ja, ich kann auch in dem Zustand sein, wo alles toll und wie auf Drogen ist. Und das ist schön. Aber ich will nunmal auch das Recht und den Raum haben, nicht in dem Zustand sein zu dürfen. Einfach nur unperfekt da zu sitzen und die Welt Welt sein lassen.

Sehr oft hilft mir da irgendeine Aussage von Stefan Hiene, der so schön radikal sein Ding durchzieht, ohne sich an Regeln anderer zu halten. Er versteckt seine Imperfektionen nicht, und ist genau deshalb so genial. Danke dafür!

Druck und die Notwendigkeit, etwas zu tun

Die letzten paar Wochen waren eine Zeit von Hochs und Tiefs für mich. Normalerweise fühle ich mich sehr schnell von Emotionen überfordert, weshalb ich über die Jahre ein komplexes Muster an Sicherheitsnetzen aufgebaut habe, um mich nicht von meinen Emotionen einfangen zu lassen. Das hat mir für eine lange Zeit sehr gute Dienste geleistet, indem es mich unterstützt hat, mich mit meinen Emotionen fast nicht auseinander zu setzen. Die Nebenwirkung davon ist aber, dass die Emotionen nicht wirklich verschwinden. Sie sind immer noch hier, wirken mit jedem Mal größer, und ich krieg das Gefühl, dass ich immer weniger damit umgehen kann, weil ich keine Übung darin habe.

Höchstwahrscheinlich sind sie gar nicht so groß, aber wenn man auf dem Boden liegt, und sich nicht mehr daran erinnern kann, dass man auch aufstehen könnte, geschweigen denn wie, dann fühlt es sich wie eine unmögliche Aktion an. Speziell wenn man einen Traktor, oder sogar einen kleinen Motorroller auf sich zukommen sieht.

Gestern hab ich mich gefühlt, als wenn mich ein LKW überfahren hätte. Ich hab ihn kommen sehen – sogar schon ziemlich lange vorher. Das ist eigentlich auch schon eine ziemliche Leistung für mich, weil ich früher einfach nur auf den Boden geschaut, und gar nichts gesehen hätte.

Ich hab also zugeschaut, wie er immer größer und größer geworden ist. Ich hatte so große Angst, dass er mich überfahren würde. Und plötzlich bin ich aufgestanden. Ich hab ihn angeschaut, als er auf mich zugekommen ist. Ich hab versucht auszuweichen. Ein Schritt nach links – er hat seine Richtung angepasst. Ein Schritt nach rechts – er passt sie wieder an. Ich hab versucht, ihn zu überreden, stehen zu bleiben oder vorbei zu fahren, aber wie soll man einen LKW überreden?

Und irgendwann, irgendwie, ist er stehen geblieben. Vor meiner Nase. Er hat mich nicht wirklich überfahren, aber die Angst, wirklich hinzusehen, was da kommt, mich wirklich damit auseinander zu setzen, sich wehren versuchen, und dann sich mit dem aufgewirbelten Staub zu beschäftigen, zu realisieren, dass er mich nicht überfahren hat… Das beschäftigt mich noch immer – mehr als einen Tag später.

Es ist wahrscheinlich mit den meisten Emotionen sehr ähnlich, sich mit ihnen auseinander zu setzen. Dieses Mal war es bei mir das Gefühl des Drucks, den ich mir selbst mache, wenn etwas zu tun ist. Die Notwendigkeit, mir selbst Druck zu machen wird von Glaubenssätzen, Aktionen oder Personen ausgelöst. Ich verstehe, dass ich es bin, die den Druck ausübt, darum gebe ich meiste Zeit niemandem die Schuld. Weil darum geht es nicht.

Das, worum es geht, was so schwer ist, sind die tatsächlichen Emotionen. Also – wenn ich meine Analogie von vorher hernehme, war der LKW nur der Auslöser. Normalerweise überlasse ich dem Druck die Kontrolle über meine Aktionen, und tue was auch immer der Druck möchte, in der Hoffnung, ihn nicht mehr zu spüren. Das bedeutet hauptsächlich, schneller zu laufen, härter zu arbeiten, meine Augen zu verschließen vor dem was wirklich da ist.

Gestern habe ich alles kommen sehn, hab all den Druck schon vorher gespürt, richtig in meinem ganzen Körper, von Kopf bis Fuß gespürt. Und dann hab ich NEIN gesagt.

Es kann schon sein, dass ich das was mir „aufgetragen“ wurde wirklich machen will, aber momentan könnte ich es nur unter Druck, und das ist es mir nicht wert. Ich will das unter keinen Umständen (außer Lebensgefahr) mehr machen. Ich weiß nicht, wie es anders geht, aber es ist ein neuer Prozess, den ich ausprobieren möchte. Es ist schwere Arbeit, einen neuen Weg zu finden, etwas zu tun, das man sein ganzes Leben auf eine bestimmte Art getan hat. Aber es ist die Art von Arbeit, für die ich bereit bin, die Ärmel hochzukrempeln.

Selbstausdruck

In meinem Leben habe ich immer wieder kleine und größere Dinge geschafft auf die ich eigentlich stolz bin, die ich aber nie wirklich öffentlich gezeigt habe, bzw. so klein wie möglich gehalten habe, und auch nicht so richtig mir selbst zugestanden habe, stolz darauf zu sein. Es war und ist sehr schwer für mich, mich wirklich zu zeigen. Ich habe zwar Teile von dem was ich geschaffen habe und auch einige Gedanken von mir in meinem bisherigen Blog http://wanderingtreechild.wordpress.com geteilt, aber hatte mich nie getraut, es mit meinem Namen zu verbinden. Ich hatte immer das Gefühl, dass ich nicht bereit war, mich mit den Auswirkungen auseinander zu setzen, die dies mit sich bringen könnte. Würde ich meine Glaubwürdigkeit für meine bisherige Arbeit verlieren? Oder für zukünftige Aufgaben? Würde ich jemanden der mich kennt blamieren?

Es gibt einen TED talk von Brene Brown (Brene Brown über Verletzlichkeit), der in mir immer unterschiedliche Reaktionen hervorruft. Manchmal kommt ein Gefühl von Motivation, Inspiration und Mut, dass ich meine Unsicherheiten umarmen kann und daran wachsen und stärker werden kann. Manchmal ist da aber auch ein Gefühl von Leugnung. Das Gefühl, dass es doch noch einen anderen Weg geben muss, um diese Unsicherheiten und Ängste los zu werden. Mein Wunsch ist es, in den Situationen wo ich das Gefühl der Leugnung wahrnehme, zu mir zu stehen, und trotzdem Mut zu fassen, meinen nächsten Schritt zu gehen.

Für mich ist dieser Blog also ein Weg um mir zu helfen, meinen Mut zu finden, Schritt für Schritt meine Angst und Unsicherheiten zu sehen, zu umarmen, zu mögen, und sie als Teil von mir zu akzeptieren. Und vielleicht kann ich dich oder andere auch dazu inspirieren, das gleiche zu tun.

Inzwischen fühle ich mich relativ sicher, wenn ich über Ideen und Theorien schreibe, die jemand entwickelt hat, und die ich gut finde. Und auch das Entwickeln und Schreiben über eigene Ideen macht mir keine Angst mehr. Im Grunde ist es ja nur eine von vielen Ideen, die ich in meinem ganzen Leben habe. Ideen kommen und gehen so schnell, dass ich mich nicht wirklich persönlich damit identifiziere. Was mir am meisten Angst macht ist das Schreiben über Dinge, die ich (noch) nicht kann. Mir macht Angst, all die Teile zu zeigen, die mir peinlich sind, weil ich sie (noch) nicht so gut kann wie ich es mir wünschen würde.

Da ich schon ziemlich lange im Bereich der (IT) Sicherheit tätig bin, ist es eine sehr große Herausforderung für mich, nicht nur auf einer persönlichen aber auch auf einer beruflichen und philosophischen Ebene, neue Möglichkeiten darin zu sehen, Risiken einzugehen und Verletzbarkeit zuzulassen. Aber es ist eine Herausforderung, der ich mich stellen möchte.

Ich bin auch immer daran interessiert, über deine Gedanken zu lesen. Was sind die Dinge, die für dich eine Herausforderung darstellen? Was möchtest du nicht, das andere von dir sehen?